Wirkung entsteht nicht am Schreibtisch – sondern im gemeinsamen Reflexions-prozess
Seit zwei Jahren unterstützt das Kompetenzzentrum die zehn Projekte des Förderschwerpunkts Grundbildungspfade bei der Entwicklung einer eigenen Wirkungslogik. Dabei spielt der gemeinsame Lernprozess eine besondere Rolle.
Wirkungsorientierung beginnt nicht mit Indikatoren oder Evaluationen. Sie beginnt mit der gemeinsamen Auseinandersetzung darüber, welche gesellschaftlichen Probleme bearbeitet werden sollen, welche Bedarfe Menschen haben und wodurch Veränderungen entstehen können. Genau diesen Reflexionsprozess hat das Kompetenzzentrum GrundbildungsPFADE gemeinsam mit den zehn Verbundvorhaben der Förderrichtlinie Grundbildungspfade gestaltet. Ziel war nicht, die Projekte in ein einheitliches Raster zu pressen, sondern sie dabei zu unterstützen, ihre eigenen Wirkungslogiken zu entwickeln, also nachvollziehbar zu beschreiben, wie ihre Aktivitäten zu den angestrebten Veränderungen beitragen sollen.
Dabei zeigte sich schnell: Die größte Herausforderung bestand nicht darin, Antworten zu finden, sondern die richtigen Fragen zu stellen. Welches gesellschaftliche Problem soll eigentlich gelöst werden? Welche Bedarfe haben die Zielgruppen tatsächlich? Wodurch entsteht die gewünschte Veränderung? Und woran lässt sich erkennen, dass sie eingetreten ist?
Im Verlauf der vergangenen zwei Jahre wurden die Wirkungslogiken mehrfach überarbeitet. Gesellschaftliche Problemlagen wurden präzisiert, Zielgruppenbedarfe konsequenter aus Sicht der Lernenden formuliert, Ansätze von konkreten Leistungen getrennt und Wirkungen stärker als Veränderungen beschrieben.
So entstand nicht nur eine tragfähige Wirkungslogik für jedes einzelne Vorhaben, sondern auch eine gemeinsame Sprache für wirkungsorientiertes Arbeiten.
Von zehn Projekten zu gemeinsamen Erkenntnissen
Erst der Vergleich der Wirkungslogiken zeigte, welche Muster sich trotz aller Unterschiede über die Verbundvorhaben hinweg erkennen lassen.
So wurde deutlich, dass die Verbundvorhaben nicht nur sehr unterschiedliche Zielgruppen adressieren – insgesamt konnten 26 verschiedene Zielgruppenprofile identifiziert werden –, sondern Wirkung fast immer auf mehreren Ebenen denken: bei Lernenden, bei Fachkräften und Organisationen sowie auf der Ebene regionaler Kooperations- und Unterstützungsstrukturen. Nachhaltige Veränderungen entstehen dort, wo diese Ebenen zusammenwirken.
Eine weitere Erkenntnis war, dass die Verbundvorhaben, trotz unterschiedlicher Zielgruppen, regionaler Rahmenbedingungen und Projektkonzepte immer wieder auf ähnliche Strategien zurückgreifen. Insgesamt konnten hier sieben Ansätze systematisiert werden. Die Verbundvorhaben entwickeln bestehende Bildungs-, Beratungs- und Qualifizierungsangebote grundbildungssensibel weiter (1). Sie schaffen niedrigschwellige Zugänge (2), begleiten Bildungsübergänge durch Beratung und Lotsenmodelle (3), unterstützen individuelle Lernprozesse durch Kompetenzfeststellungen und Lernbegleitung (4), qualifizieren Fachkräfte (5), bauen regionale Netzwerke aus (6) und entwickeln Transferansätze, um zur strukturellen Verankerung erfolgreicher Modelle und Kooperationen beizutragen (7).
Die Handlungsansätze beschreiben keine einzelnen Projekte und auch keine festgelegte Abfolge von Maßnahmen. Vielmehr bilden sie die wiederkehrenden Bausteine regionaler Grundbildungspfade. Die Verbundvorhaben kombinieren diese Bausteine je nach regionaler Ausgangslage und Zielgruppen unterschiedlich miteinander.
Wirkungsorientierung als gemeinsamer Lernprozess
Die bisherige Wirkungsreise zeigt, dass Wirkungsorientierung weit mehr ist als die Entwicklung von Indikatoren oder Evaluationskonzepten.
Der gemeinsame Reflexionsprozess unterstützt die Verbundvorhaben dabei, ihre Annahmen zu hinterfragen, Strategien weiterzuentwickeln und voneinander zu lernen.
Gerade darin zeigt sich bislang der besondere Mehrwert der Begleitung. Damit beginnt der nächste Schritt des gemeinsamen Lernprozesses. Nach der gemeinsamen Entwicklung der Wirkungslogiken richtet sich der Blick nun darauf, wie die angenommenen Wirkungen mit geeigneten Methoden überprüft und sichtbar gemacht werden können.