Im Kontext internationaler Vergleichsstudien und der Debatten um selbstorganisiertes und selbstgesteuertes Lernen sind biografische Aspekte zunehmend in das Blickfeld der Lehr-Lern- und Bildungsforschung geraten. Zur Erhellung der wechselseitigen Beziehung von Bildung und Biografie werden in diesem Heft unterschiedliche theoretische Zugänge gewählt und aktuelle empirische Erkenntnisse der Biografieforschung vorgestellt.
In einem bildungstheoretischen Bezugsrahmen wird vor dem Hintergrund eines von der DFG geförderten Forschungsprojektes das Lebenslange Lernen als Modus der Subjektbildung analysiert. Dabei wird der Zeitdimension von Bildung theoretisch, methodologisch und methodisch durch die Auswertung von qualitativen Interviews, die nach mehr als 25 Jahren mit denselben Personen noch einmal geführt wurden, besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Die Orientierung folgt einem lernbezogenen, aber nicht lernzentrier…
Eine biographische Dimension erhalten Lernprozesse, wenn die Lerngegenstände auf das eigene vergangene oder zukünftige Denken und Handeln bezogen werden. Als „Bildung“ kann ein solcher Lernprozess gelten, wenn Deutungsweisen dabei umgebaut und transformiert werden. Die Lernberatung in Selbstlernarchitekturen eröffnet konzeptionell einen Raum, in dem solche Lern- und Bildungsprozesse stattfinden können. Im Beitrag wird dieser Zusammenhang empirisch mit einer Analyse diskursiver Praktiken im Lern…
Der Beitrag profiliert all das, was der Biografieforscher während des Feldzugangs über seine Interviewpartner gewollt oder ungewollt erfährt als »Paratext«, der zur Konstruktion des Forschungsgegenstandes beiträgt. Damit wird ein Begriff, der sonst in der literaturwissenschaft beheimatet ist, in die Biografieforschung getragen.
Der Beitrag fragt aus Sicht der pädagogischen Biografieforschung nach der Bedeutung von Übergängen im Bildungssystem. Übergänge bewirken vor allem zunächst Verunsicherungen, Klärung der eigenen Basis, Entwicklung von neuen Perspektiven, Annehmen oder Verändern der neuen Situation, Freisetzen von Energie und Aktivitäten zur Bewältigung von Veränderungen. Am Beispiel einer Interviewpassage zum Übergang vom Beruf in den Ruhestand (in der am Rande auch der Verlust von Familienangehörigen thematisie…
In der Weiterbildungspraxis sind Methoden und Konzepte biographischen Lernens seit langem Bestandteil didaktischer Überlegungen, und sie werden mit wechselnden Begründungen und Begrifflichkeiten auch immer wieder neu thematisiert. In diesen Diskussionen wird seit einiger Zeit auf das Konzept der Biographizität Bezug genommen, ohne dass die Relevanz dieses in Forschungskontexten entwickelten Begriffs für die Bildungspraxis geklärt wäre. Der Beitrag möchte die Diskussion dieser Frage anregen. A…